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Kunst als Wissenschaft - Wissenschaft als Kunst: Start eines Projektes
 
"Die Wahrheit der Kunst verhindert, dass die Wissenschaft unmenschlich wird, und die Wahrheit der Wissenschaften verhindert, dass die Kunst sich lächerlich macht." (Raymond Chandler)


Sind Künstler Wissenschaftler, und sind Wissenschaftler auch Künstler? Als im Laufe des 15. Jahrhundert einige der in den städtischen Zünften organisierten Künstlerhandwerker in den Kreis der höfischen Elite aufstiegen, stellte sich diese Frage noch nicht.

Vielmehr diente die Verbindung von Kunst und Wissenschaft der Emanzipation der bildenden Kunst, ihrer Befreiung vom Status einer mechanischen Kunst und dem Aufstieg in den Rang einer freien Kunst. Geometrie und Mathematik verwissenschaftlichten zu Beginn der Neuzeit die Einbildungskraft und führten zur Erfindung der Zentralperspektive. In ihrem gemeinsamen Bestreben "Daß ich erkenne, was die Welt/Im Innersten zusammenhält" (Goethe, Faust) waren Künste und Wissenschaften eng verbunden.
In beiden Bereichen bezeichnete der Begriff der "imaginatio" das schöpferische Grundvermögen zur Beobachtung der Naturphänomene über das Sichtbare hinaus. Im Zeitalter des Rationalismus dagegen hießen nur noch die bildenden und darstellenden Künste "Künste", nicht mehr die Wissenschaften. Das cartesianische Zeitalter ordnete das Technische dem Bereich des Instrumentellen, Rationalen und Kognitiven zu, während das improvisatorische und schöpferische Moment dem künstlerischen Ausdrucksschaffen vorbehalten blieb.

In jüngster Zeit findet erneut eine Annäherung zwischen Kunst und Wissenschaft statt. Künstler reflektieren naturwissenschaftliche und technische Themen oder entwickeln künstlerische Versuchsanordnungen. Umgekehrt gewinnen für die Naturwissenschaftler Bedingungen künstlerischen Tuns an Bedeutung, insofern als experimentelle und kreative Systeme und deren Eigenleben für überraschende Entdeckungen sorgen und das Erkenntnisinteresse lenken.
Künstler können Fragen aufwerfen, schulden uns aber keine Antworten. Aber auch die Wissenschaftler berühren zunehmend Fragen, die die Naturwissenschaft nicht beantworten kann.

Im Rahmen des Symposiums näherten sich Künstler, Kunsthistoriker, Philosophen Natur- und Sozialwissenschaftler der These "Kunst als Wissenschaft - Wissenschaft als Kunst" unter verschiedenen Gesichtspunkten. Zugleich war das Symposium als Auftakt einer Reihe von Dialogen, Rundtischgesprächen und Werkraum - Ausstellungen gedacht, deren Ergebnisse im Herbst 2004 in der geplanten großen Ausstellung "Kunst als Wissenschaft" der Nationalgalerie und des MD Berlin der Öffentlichkeit präsentiert werden sollten.

Eine konkrete Zusammenarbeit von Kunsthistorikern, Restauratoren und Naturwissenschaftlern wurde im Rahmen von Projekten zur Kunstgeschichte und Klimaforschung sowie zur Kunstgeschichte und Atomphysik realisiert, in denen naturwissenschaftliche Methoden wie die Neutronen-Autoradiographie für die Untersuchung von Kunstwerken verwendet wurden. Auf diese Weise wurden Untermalungen und Konzeptionsänderungen sichtbar, woraus sich wiederum neue Erkenntnisse über den schöpferischen Werkprozess der alten Meister ableiten liessen.

Die Wirklichkeit des Symbols spielt in den unterschiedlichen Erkenntnisprozessen von Kunst und Wissenschaft eine wichtige Rolle. Die überwältigende Komplexität unserer Welt und gleichzeitig die aus der Evolutionsgeschichte abzuleitende Unzulänglichkeit unserer Gehirnstrukturen erlauben es uns nicht, diese Komplexität auch nur annähernd zu erfassen. Wir sind daher gezwungen, die uns bewußte Welt in bildhaften Analogien und Metaphern zu beschreiben. Man könnte den Symbolbegriff auch als Universalkategorie aller geistigen Prozesse und Kulturen schlechthin bezeichnen.

Die Alchemie galt bis ins 18. Jahrhundert hinein als "Kunst aller Künste, als Wissenschaft aller Wissenschaften." Aus einem Strang entwickelten sich die modernen Naturwissenschaften, alles andere wurde zur Nachtseite der Wissenschaften, wurde vergessen und verdrängt. Die Alchemisten versuchten in Harmonie mit der Natur diese durch Partizipation zu beeinflussen, während die Naturwissenschaften die Natur beherrschen, sie sich untertan machen woll(t)en. Alchemistische Vorstellungen haben die westliche Kultur und Wissenschaft bis in die Gegenwart geprägt: Wie weit etwa sind Projekte wie das Human Genom Project oder die Verlängerung von Jugend und Lebenszeit von alchemistischen Ideen mitbestimmt? Lebt hier nicht die Vorstellung vom "homunculus" fort?

Der Mensch ist in den vier Dimensionen gefangen. Alles, was darüber hinausgeht, berührt für uns den Bereich der Fiktion. Die Natur hat uns fünf Sinnesorgane verliehen, die uns helfen, bestimmte Dinge nur dadurch zu erkennen, daß wir anderes aus dem Bereich unserer Erfahrung ausschließen. Wirklichkeit zu erkennen hieße demnach, unser Wahrnehmungsfeld in eine oder mehrere höhere Dimensionen auszudehnen. Die Phänomene der Welt verketten sich in unserem Bewußtsein mittels Bildern. Bilder, ob metaphorisch oder symbolisch benutzt, sind die Bindeglieder zwischen Außen und Innen. Sie vermitteln zwischen sinnlicher Anschauung, psychischer Verarbeitung und magischer Deutung.

Zum Abschluß diskutierteen Künstler, Kunsthistoriker, Natur- und Sozialwissenschaftler den von Joseph Beuys eingeführten "erweiterten Wissenschafts- und Kunstbegriff".






 
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