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Symposium Kunst als Wissenschaft - Wissenschaft als Kunst
 So. 16.9.01     Die vierte Dimension in Wissenschaft und Kunst 

16.30 Uhr
Podiumsdiskussion: Erweiterter Wissenschafts- und Kunstbegriff

Die geistige Einheit der Wissenschaft

Wenn wir die Zukunft gewinnen wollen, müssen wir in der Gegenwart mutig die Wissenschaft fördern. Es stellt sich aber natürlich sofort die Frage, welche Wissenschaft damit gemeint ist.

Niemand bestreitet, dass die traditionellen Wege der naturwissenschaftlichen Forschung, die vor allem im Verlauf des 19. Jahrhunderts erfolgreich beschritten worden sind, zu großen Zielen und reichhaltigem Nutzen geführt haben. Doch ebensowenig wird bestritten, dass Wissenschaft nicht nur solche Ergebnisse liefert, mit denen die Menschen angenehme Gefühle verbinden. – Im Gegenteil – vielen erscheint unheimlich, was in Physik, Chemie, Biologie und neuerdings auch in der Medizin heute geplant und gemacht wird. Die Kluft zwischen Erwünschtem und Verwünschtem, Verstandenem und Unverstandenem, Segensreichem und Bedrohlichem der Wissenschaft wird größer. Die uralte Sehnsucht der Menschen nach einer geistigen Einheit des Wissens und Fortschritts in Harmonie bleibt unerfüllt.

Bei dieser für die Menschen so wichtigen Einheit handelt es sich nicht um einen Zustand, der stabil erreichbar wäre, sondern um die Einheit in Form eines Dialogs, der innerhalb der Wissenschaften und zwischen den Menschen als dynamischer, kreativer Prozeß stattfindet.

Die Schwierigkeiten, die wir heute mit der Wissenschaft haben, kommen nicht dadurch zustande, dass die Wissenschaft mehr Tatsachen entdeckt hat, als sich in einem Kopf zusammen halten lassen. Das Problem liegt vielmehr darin, dass die Wissenschaft – selbst für die Wissenschaftler – aufgehört hat, eine prinzipielle Einheit und damit ein Gegenstand der Kontemplation zu sein. Wir haben heute verlernt, “die Natur als ein durch innere Kräfte bewegtes und belebtes Ganzes aufzufassen", wie Alexander von Humboldt es noch formuliert hat, und die Frage lautet, wie wir diese Fähigkeiten zurückgewinnen können.

Der wissenschaftliche Fortschritt macht unsere natürliche Welt zunehmend zu einer “Kunst”-Welt mit all den Problemen, die Herrmann Lübbe mit dem Stichwort “Erfahrungsverlust” bezeichnet hat. Um diese neue Welt zu verstehen und erlebbar zu machen, brauchen wir ein Bild des Ganzen. Im Jahr der Lebenswissenschaften bemühen wir uns um ein kohärentes Bild vom Leben. Dieses ist rational nur schwer zu begreifen und zu vermitteln. Mit den Methoden der Kunst kann es gelingen, Probleme des Vokabulars und der Komplexität der Wissenschaft zu überwinden und verständliche Bilder in uns entstehen zu lassen. Hierzu brauchen wir die Kunst und brauchen wir den Dialog der Künstler mit den Wissenschaftlern im Sinne des europäischen Humanismus.
(Abstract)

Moderation: Lilo Berg (Berliner Zeitung)

Prof. Dr. med. Detlev Ganten
(Direktor des Max Delbrück Zentrums für Molekulare Medizin Berlin-Buch)
Prof. Dr. Dr. hc. Jürgen Kocka
(Präsident, Wissenschaftszentrum Berlin)
György Konrád
(Präsident, Akademie der Künste Berlin)
Prof. Dr. Detlef B. Linke
(Neurochirurgie, Universität Bonn)
Prof. Dr. Dr. hc, Dr.hc Dieter Simon
(Präsident, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften)
 
Dokument/e:
  Podiumsdiskussion: Erweiterter Wissenschafts- und Kunstbegriff (Audio)
 

  : Wandelhalle der Gemäldegalerie Berlin  
     


 
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