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Symposium Kunst als Wissenschaft - Wissenschaft als Kunst
 Fr. 14.9.01      


Blick in den Tevatron, 1996
20.30 Uhr
Das beschleunigte Symbol

Genesis: Command not found

Vortrag

Unsere Zivilisation ist auf radikale Weise durch den Zustand zunehmender Beschleunigung aufgrund der sich ständig erneuernden Informationstechnologien gekennzeichnet, angewandt in militärischen wie zivilen Anwendungsbereichen, die unsere tägliche sinnliche-kognitive Wahrnehmung permanent verändern.

Grundlagenforschung im Testfeld Physik: Im Fermi-Laboratorium für Hochenergiephysik in Batavia/USA untersuchen Wissenschaftler die Zusammenhänge, welche unsere Urmaterie bestimmen. Welches sind die wirklichen Bestandteilchen, die Grundbausteine, aus denen alles besteht? Welche Kräfte halten die Materie - Quarks, Bosons - zusammen? Die Partikel, die sich im Innern des Atoms befinden, sowie die Kräfte, die sie veranlassen, interaktiv zu werden, können nur beobachtet werden unter Einsatz größter Beschleunigungsmaschinen: Mit Hilfe hoher Energien bis zu 2 Trillion Elektron Volt (2 TeV) werden mit supraleitfähigen Elektromagneten Protonen beschleunigt, um sie auf bewegliche Antiprotonen zu schleudern oder auf feststehende Ziele aufprallen zu lassen: Der unterirdische Beschleuniger des Fermi-Laboratoriums (Tevatron) produziert die derzeit energiereichsten Partikelstrahlen in der Elementarteilchenforschung weltweit. In kaum vorstellbarer Geschwindigkeit 'rasen' die Partikel im Kreis.

Die Partikel verhalten sich interaktiv – was ist aktiv, was ist inter? Der Begriff der Interaktivität, seit langem in den Naturwissenschaften angewandt, hat eine grosse, allgemeine gesellschaftliche Anziehungskraft erfahren. Wie sehr sind wir draussen, dass wir nicht nur aktiv, sondern unbedingt in und dazwischen, also inter sein wollen? Und dies hier und jetzt. Welche Schnittstellen markieren dieses Bedürfnis nach Bewegung? Wie sehr bestimmen künstlich produzierte Interfaces den menschlichen Umgang untereinander sowie den Zugang zu unserer gestalteten Realität? In wieweit spiegeln sich in der Interfaceentwicklung kulturhistorisch bekannte menschliche Wahrnehmungs- und Kommunikationsweisen wieder? Computerbasierte Technologien beeinflussen unser Denken und Handeln in einer Weise, die nachhaltige ökonomische und soziokulturelle Konsequenzen mit sich bringt. Welche Rolle spielt der Zeitfaktor, wenn es darum geht, mit diesen Kulturtechniken, die durch einen enormen Zeitaufwand gekennzeichnet sind, sinnvoll umzugehen?
(Abstract)


Lisa Schmitz
(Künstlerin, Berlin)
 

  : Wandelhalle der Gemäldegalerie Berlin  
     


 
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