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 Fr. 11.7.03      

19.30 Uhr
Die Erfindung von blauen und purpurnen Farbpigmenten

Reihe "Chemie der Kunst" der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), des Hahn-Meitner-Instituts (HMI) Berlin und des Rathgen-Forschungslabor SMB.

Bereits in frühen Kulturen vollbrachten die Menschen erstaunliche Leistungen bei der Herstellung von Farben. Beispielsweise wurden bereits vor über 5000 Jahren blaue Farbpigmente hergestellt. Die Farbe "blau" wurde als die Farbe der Könige und Götter besonders hoch geschätzt. Da sie nicht zu den relativ leicht erhältlichen Erdfarben zählt, sondern die Blaupigmente nur über komplizierte Syntheseverfahren zu gewinnen waren, galten diese Pigmente daher im Altertum als besonders wertvoll. Spuren eines als Ägyptisch Blau bezeichneten Calcium-Kupfer-Silicates finden sich z. B. an einem Olivenölbehälter aus der Zeit um 3600 v. Chr. Auch der Krone der Nofretete sowie unzähligen anderen antiken Kunstobjekten verleiht Ägyptisch Blau ihre Farbe. Auch im antiken China begegnete man dem Blau-Mangel mit ausgeklügelter Chemie. Die chinesischen Blaupigmente sind chemisch eng verwandt mit Ägyptisch Blau, enthalten jedoch Barium statt Calcium. Chinesisch Blau und Chinesisch Purpur finden sich etwa in der Bemalung der berühmten Terracotta-Armee.

Prof. Heinz Berke, Wissenschaftler an der Universität Zürich, wird in seinem Vortrag berichten, mit welchen ausgeklügelten Techniken Chinesen und Ägypter bereits lange vor unserer Zeitrechnung blaue Farbpigmente hergestellt haben. Anhand von Indizien geht er auch der spannenden Frage nach, ob sich die ähnlichen Verfahren der Pigmentsynthesen in China und Ägypten völlig unabhängig voneinander entwickelt haben, oder ob möglicherweise ein früher Technologietransfer entlang der Seidenstraße ägyptisches Know-how bis nach China verbreitet und dort zur Weiterentwicklung der Pigmente geführt hat.

Prof. Heinz Berke
(Anorganisch Chemisches Institut der Universität Zürich)
 

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