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 Fr. 22.8.03      

19.30 Uhr
Mit dem Röntgenblick durch Archive und Bibliotheken

Reihe "Chemie der Kunst" der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), des Hahn-Meitner-Instituts (HMI) Berlin und des Rathgen-Forschungslabor SMB.

Schriftgut, Graphik und Buchmalerei zählen zu den bedeutendsten Kulturgütern der Menschheit. Die Bewahrung und konservatorische Betreuung, aber auch die Untersuchung kulturgeschichtlich bedeutsamer Objekte und historischer Texte gehören zu den wichtigsten kulturhistorischen Aufgaben. Seit dem Mittelalter sind in Europa sog. Eisengallustinten als wichtigste Schreibmaterialien gebräuchlich. Hauptbestandteile sind: Eisenvitriol, Galläpfel, Gummi Arabicum und ein wässeriges Medium (Wein, Bier, Essig). Je nach Vorkommen und Herstellungsart enthalten die Bestandteile zusätzliche Verunreinigungen oder Beimischungen, die diese Tinten individuell und unterscheidbar machen.

Mit zerstörungsfreien Untersuchungsmethoden (Bandpassfilter-Reflektographie und Röntgenfluoreszenzanalyse) werden die Eisengallustinten charakterisiert. Während bei der Reflektographie ohne genaue Kenntnis des Materials Unterschiede in der Zusammensetzung der Tinten sichtbar gemacht werden, handelt es sich bei der Röntgenfluoreszenz um eine Elementanalyse, bei der die anorganischen Bestandteile qualitativ und quantitativ exakt bestimmt werden können.

In seinem Vortrag wird Dr. Oliver Hahn, Wissenschaftler an der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), u. a. Forschungsergebnisse zu der Kompositionsfolge in Mozarts Zauberflöte, und zu den Werken J. W. v. Goethes (Goethe in Zusammenarbeit mit seinem Schreiber John, sowie Gedanken zu Faust I und Faust II) präsentieren. Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigen, dass die materialtechnologische Charakterisierung dieser Tinten entscheidende Beiträge für die kulturhistorische Forschung liefern können.

Dr. Oliver Hahn
(BAM - IV.22)
 

  : Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung  
     


 
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